Kinder für Volleyball begeistern geht auch in der Schule

Rechtzeitig vor dem Start des neuen Schuljahres haben wir uns mit dem Schulsportreferenten des Bayerischen Volleyball-Verbandes Andreas Singer unterhalten. Singer schöpft bei seiner Arbeit aus seiner Erfahrung als Sportlehrer und Organisator des Volley Grundschulcups in Großheubach. Dieser läuft seit vielen Jahren sehr erfolgreich und wird von den Schülern im Landkreis Miltenberg sehr gut angenommen.

Download-Box: Material für Lehrer und Vereine

Andreas, im Landkreis Miltenberg gibt es seit vielen Jahren erfolgreich den Volley Grundschulcup. Was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Erfolgsgeheimnis, Erfolgsrezept, Plan A – so möchte ich es gar nicht nennen – eher als glückliche Fügung, dass wir mit Mömlingen und Faulbach zwei starke Säulen im Landkreis Miltenberg haben, welche mit ihren sehr engagierten Kindervolleyballtrainern/innen bzw. Sportlehrern/innen in der Grundschule viel über Vorbild sein, Motivation wecken und Erfolg vermitteln bewirken. Das Wichtigste ist, dass andere Schulen sehen, dass man bei der Turnierform „Volley spielen“ nicht unbedingt einen starken Volleyballverein im Hintergrund benötigt, sondern dass man auch aus dem normalen Schulsport heraus bei einem Landkreisturnier (wie zum Beispiel die GS Weilbach im Jahr 2014) gewinnen oder erfolgreich sein kann.

Vorteile von allumfassender Ballschule wurde von vielen erkannt

Über verschiedene Fortbildungsmöglichkeiten mit der Sportfachberatung gelang es mir dazu noch in der Seminarausbildung für Lehrer/innen bei uns u.a. das Konzept „Volley spielen in der GS“ umfangreich vorzustellen. Viele haben schon den Vorteil einer allumfassenden Ballschule (Fangen & Werfen, Bälle im Team Volley spielen, sehr gute Ballsportart für gemischte Gruppen, prima Umsetzung für „Mini-Spielformen“ in kleinen Gruppen, Erlernen von Fairness & Kooperation sowie Anwendung von Regelkenntnisse) mit dem speziellen Grundschulball erkannt und planen in ihrem Schuljahr für ca. 8 Wochen eine Volleysequenz ein, ohne hiermit Lehrplanplusinhalte der Grundschule zeitlich zu vernachlässigen.

projektorientierte Unterstützung durch 5. und 6. Klasse

Eine gewachsene Teilnehmertradition von 4 Grundschulen konnten wir schon auf 6 Grundschulen ausweiten – wir kommen auf jeden Fall an die Kapazitätsgrenze, so dass ich pro Klasse im Schnitt nur noch ca. 3 Teams berücksichtigen kann. Zum Erfolg jedes Jahr trägt auf jeden Fall auch die „projektorientierte Unterstützung“ durch eine unserer Mittelschulklassen aus der 5. bzw. 6. Jahrgangsstufe bei, die als Feldhelfer, Schiedsrichter und Punktemelder fungieren. Somit schaffen wir es innerhalb von 30 Sekunden mit 16 neuen Teams auf 8 Feldern eine neue Spielrunde zu starten und über 200 Spiele bis zu einem Finale reibungslos durchzuführen, während ein Computer im Hintergrund die „Punkte zählt“ – auf eine große Siegerehrung in der Hallenmitte am Ende bei denen die Bestplatzierten jeweils einen großen Applaus bekommen, sowie das große Abschussbild mit allen für die Zeitung freuen sich alle!

Welche Vorteile bringt der Cup den Schulen und Vereinen bei euch in der Region?
Wie oben erwähnt, decken wir mit der Volleysequenz einen großen Teil des GS-Sportlehrplans ab. Dazu richtet meine Schule aufgrund der großen Nachfrage und des Interesses mit all seinen 3. und 4. Klassen bereits ein schulhausinternes „Qualifikationsturnier“ aus. Da wird Schulleben erfahren! Leistung soll zwar in der Volleysequenz nicht unmittelbar im Vordergrund stehen – jedoch ist der Leistungszuwachs bei den Kindern, die eines oder gar beide Turnier gespielt haben deutlich sichtbar. Außerdem fällt es den Sportlehrern/innen auch leichter, aufgrund der „sportlichen Leistung“, welche die Kinder im Unterricht und im Turnier bringen, diejenigen zu bestimmen, welche unsere Schule im Landkreisturnier vertreten.

Fans der Schulen ausdrücklich erwünscht

Schüler die als Fans zur Unterstützung mitfahren stärken auf jeden Fall die Klassengemeinschaften! Auf Turniere und sportliche Vergleiche im Kindesalter hinzuarbeiten oder mitzufiebern entwickelt unsere Kinder auf jeden Fall in jeder Sicht persönlich weiter. Im Idealfall finden sich jedes Jahr auch immer wieder neue Nachwuchstalente und volleyballinteressiert Kinder, die den Weg in das Kindertraining des örtlichen Vereins sich zutrauen, auch wenn der Schritt in ein Vereinskindertraining noch ein großer ist. Dieser sollte aber umso kleiner und überwindbarer sein, wenn den entsprechenden Vereinen bewusst wird, was die Grundschulen bzw. die Sportlehrer/innen maximal leisten können, vor allem wenn diese nicht aus der Sportart Volleyball kommen.

Wie wichtig sind diese Sichtungsturniere in den Grundschulen für die Zukunft von Volleyball in Bayern?
Wenn wir die „Volley-Spielen-Schulturniere“ als Sichtungsturniere sehen, diese so nennen bzw. etikettieren, dann wären wir Jugendsportart Nummer 1, noch vor Fußball, hätten bereits ein großes Netzwerk von mindestens einem Turnier pro Landkreis und bräuchten uns um die Antwort bei der Frage nach der Wichtigkeit wenig Gedanken machen, sondern könnten uns entspannt zurücklehnen. Da dies aber alles nicht der Fall ist und wir alle in gewisser Art und Weise – manche offensiver, manche geschickter – um die Nachwuchsinteressen der Heranwachsenden mit kreativen Schulangeboten uns kümmern und alle Verbände ein gegenseitiges Konkurrenzangebot darstellen, gilt es das Primäranliegen Mitgliedergewinn / „Sichtung“ im Schulbereich erstmal hintenanzustellen, um nicht mit Schritt 1 gleich zu scheitern  – hiermit würden wir bei fast allen Schulleitern/innen verständlicherweise auf verschlossene Türen treffen.

Volleyball mindestens eine tolle Freizeitsportart

Meiner Meinung nach ist es sinnvoll, mit unserem sehr guten Ballspielkonzept, welches mit der Landesstelle für den Schulsport (LASPO) nun bereits in das vierte Fortbildungsjahr geht, aus Verbands- und v.a. aus Vereinssicht das in den Mittelpunkt zu stellen und als wichtig zu erkennen, was es auf jeden Fall im Stande ist zu leisten: nämlich allen Kindern mindestens eine tolle Freizeitsportart vorzustellen, die sie sofort in ihrem Garten (2er-Teams über die Wäscheschnur) oder im Schwimmbad (Rasen oder Beachfeld) oder bei einem Dorffreizeitturnier in Mixedmannschaften freudvoll spielen können. Über diese Breitensportentwicklung werden sich automatisch Talente finden und durchsetzen. Über diese Breitensportentwicklung werden sich schrumpfende Abteilungen stabilisieren können. Für Kinder die bereits eine Hauptsportart haben (z.B. Fußball oder Leichtathletik) ist es mir wichtig auch Alternativen an der Hand zu haben, die im Falle eines Drop-Outs weiterbetrieben oder neu begonnen werden können.

Volleyball wird von Schülern auch zu Hause im Garten gespielt

Unser Konzept verstehe ich also in erster Linie nicht als Talentsichtungsplan sondern als didaktisch sinnvolle Zusammenstellung, um die in der Tat schwierigste, aber nicht weniger spektakulärste der vier großen Ballsportarten breit anzubieten und vorzustellen und bisherige Misserfolgslernwege hinter uns zu lassen! Die für mich wichtigste Erkenntnis war mit Stolz zu sehen, dass vier großartige Fußballtalente im Sommer im heimischen Garten statt ständig zum Fußball auch einmal zum eigenen (!) Volleyball griffen um freudvoll sich völlig anders zu messen – und das nicht nur einmal – mein Ziel habe ich hier somit bereits erreicht! (Anm. von den vier Buben geht jetzt bereits einer schon zusätzlich ins Volleyballtraining und nimmt an der Jugendrunde im Winter teil!).

Kinder sollen ruhig mehr Sportarten ausprobieren

Unser Konzept verstehe ich weiter als ein Angebot, um das Bewegungsangebot koordinativ, kreativ und kameradschaftlich zu erweitern. Ich möchte gerne an die Probleme erinnern, was unseren „Talenten“ häufig so alles als „fehlend“ angeheftet wurde – sollen sie neben Volleyball gerne 1-2 andere Sportarten betreiben und ausprobieren! Aus einem breiten Bereich werden Talente sich ohnehin genauso wie aus dem schmalen Feld durchsetzen, möglicherweise eben noch ein paar mehr, aber diesen Zugewinn würden wir dann auch dankend mitnehmen.

ereine sind gefordert für ein gutes Angebot zu sorgen

Eines soll uns Vereinen allerdings bei der Frage nach der Wichtigkeit auf jeden Fall klar sein. Volleyball im Fernsehen oder Internetstream und eine erneute olympische Goldmedaille im Beachvolleyball alleine reichen nicht aus, um unser Kindertrainingsangebot sichtbar zu füllen, ebenso kann ich aus der Erfahrung sagen, dass alle Verbände mit ihrem Angebot in die Grundschulen und Ganztagsangebote drängen. Somit sollten wir uns den „normalen“ Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage auf dem Markt und somit der Wichtigkeit ebenfalls im Klaren sein. Ein gutes Angebot, breites Angebot bei guter Qualität (=viele GS-Lehrer mit der o.g. LASPO-Fortbildungsqualifikation) sind schon vorhanden. Ich denke beim Productplacement können wir noch zulegen die Kunden gibt es – jede Menge!


Was muss eine Schule bzw. ein Verein tun, damit er auch einen Volley Grundschulcup ausrichten kann?

Wie eigentlich immer – Initiative ergreifen, entweder als Einzelperson, die sich in der Lage sieht einmal eine Energieleistung zu erbringen und beim nächsten Mal viele Mitstreiter anhand des Erfolges sicher hat oder am besten gleich als Team, im Idealfall eine Kombination aus Schule und Unterstützung durch Vereinspersonen. Im Vorfeld sollte allen klar sein, was das Ziel ist (es muss NICHT unbedingt ein Turnier gegen andere Schulen sein). Ein Klassenturnier oder Stationen-Aktionstag mit Belohnungen oder Preisen am Ende sind genauso wertvoll. Langfristigkeit – eine Aktion, die sich bei den Kleinen herumspricht – bei dem die Heranwachsenden im nächsten Schuljahr auch erfolgreich teilnehmen wollen und im Unterricht zielorientiert üben ist viel mehr Wert, also eine große einmalige Aktion, in der sich viele unerfreuliche Dinge vielleicht ergeben. Also nicht kopieren, sondern Kapazitäten analysieren und entwickeln!


Anprechpartner Schulsport:
Andreas Singer

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